Plötzlicher Herzstillstand – Wie kann ich mich davor schützen?
Foto: prb / Lilo Brückner

Plötzlicher Herzstillstand – Wie kann ich mich davor schützen?

Chefarzt Kardiologie im Gesund­heits­zentrum Ober­ammer­gau informiert in Theorie und Praxis

Oberammergau. „Der „plötzliche Herztod“ tritt in aller Regel nicht „ganz plötzlich“ ein, sondern ist häufig Folge einer langjährigen koronaren Herz­er­kran­kung (KHK = Arterio­sklerose/Gefäß­verkal­kung). Daher gehen dieser Erkrankung häufig Vorboten voraus bzw. liegen Risikofaktoren für die Entstehung der koronaren Herz­er­kran­kung vor.

Dies war das Thema von Dr. med. Armin Rosenberger, Chefarzt Kardiologie im Gesundheitszentrum Oberammergau und kardiovaskulärer Präventivmediziner, der im Rahmen der Herzwochen 2019 als Botschafter der Deutschen Herzstiftung die Bevölkerung im Ammertal zu dieser Informationsveranstaltung eingeladen hatte. Ein ebenso wichtiges Anliegen war es für Dr. Rosenberger aufgrund seiner Erfahrung als langjähriger Notarzt und Referent der Bayerischen Landesärztekammer, Referat Notarztkurs, seine Zuhörer/-innen für das Thema Wiederbelebungsmaßnahmen zu sensibilisieren. „Keine Angst vor der Wiederbelebung, jeder kann Leben retten. Das einzige was Sie falsch machen können, ist nichts zu tun“, ermutigt er die Zuhörer

Der beste Schutz vor dem plötzlichen Herztod ist, wie Dr. Rosenberger erläuterte, der Schutz vor einer koronaren Herzerkrankung. Daher sollte jeder die angebotenen Vorsorgeuntersuchungen, auch wenn noch keine Beschwerden vorliegen, nutzen, legte Dr. Rosenberger seinen Zuhörern ans Herz. Treten Hinweise auf eine KHK auf, wie Belastungsbrustscherz oder Belastungsluftnot, so soll ein Kardiologe aufgesucht werden. Weitere Vorboten eines plötzlichen Herztodes sind Schwindelattacken, Kollaps oder eine kurze Bewusstlosigkeit. Auch Herzstolpern kann ein Warnsymptom sein, wenn auch unspezifisch.

Überraschend war die Aussage, dass nach neuesten Erkenntnissen bei den zehn Risikofaktoren Bewegungsmangel an erster Stelle noch vor dem Rauchen gelistet ist. „Mit einem vernünftigen Lebensstil, insbesondere Bewegung, können Sie das Risiko an einer KHK zu erkranken, halbieren“, machte Dr. Rosenberger deutlich. Der zusätzliche Einsatz von Blutdruck- und Fettsenkern reduziert das Risiko nochmals eindrucksvoll.

Und wenn doch der Fall eines Herzstillstandes eintritt, dann ist es ganz wichtig, unverzüglich Wiederbelebungsmaßnahmen einzuleiten. Je früher die Reanimation startet, desto größer sind die Überlebenschancen. „Man kann nichts falsch machen, außer, nichts zu tun“, betonte Dr. Rosenberger nochmals, denn das Zeitfenster zwischen Leben und Tod ist sehr eng: Eingeleitet wird der plötzliche Herztod vor allem durch das plötzliche Auftreten der bösartigsten Herzrhythmusstörung, dem Kammerflimmern. Diese führt innerhalb weniger Sekunden zum Kreislaufkollaps: Das Herz hört auf zu schlagen, der Blutdruck sinkt auf „Null“. Der Patient bricht nach 10 Sekunden bewusstlos zusammen. Pro Minute nimmt die Überlebenswahrscheinlichkeit um 10% ab.

Gerade in einer Gegend, wie dem Landkreis Garmisch-Partenkirchen, können aufgrund der Entfernungen das alarmierte Rettungsteam und der Notarzt nicht immer rechtzeitig vor Ort eintreffen. Eine Wiederbelebung durch Ersthelfer (medizinische Laien) zur Überbrückung dieser Zeitspanne ist daher zur Lebensrettung unabdingbar. Deshalb der große Wunsch der Notärzte, wie Dr. Rosenberger, dass sich möglichst viele Menschen mit der Laienreanimation vertraut machen.

Daher ließ es Dr. Rosenberger auch nicht mit theoretischer Information bewenden, sondern die Teilnehmer konnten selbst Erste-Hilfe-Maßnahmen, wie die stabile Seitenlage und Herzdruckmassage, praktisch üben. Letztere ganz wichtig, um die Zeit, bis ein Defibrillator vorhanden ist, zu überbrücken. Auch die Anwendung eines Defibrillators (AED), wie sie immer mehr an öffentlichen Orten zu finden sind, erfordert keine Vorkenntnisse, wie Dr. Rosenberger demonstrierte.

Ob sich ein öffentlicher Defibrillator (AED) in erreichbarer Nähe befindet, ermittelt die „Defi-App“ So kann ein weiterer Helfer dorthin navigiert werden. - Wo sich der nächste AED befindet, wollte ein Zuhörer wissen. „Natürlich hier in unserem Gesundheitszentrum Oberammergau, rund um die Uhr der Öffentlichkeit zugänglich“, erläuterte Dr. Rosenberger. Dies wurde auch durch die App bestätigt.

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Erste Hilfe leicht gemacht: Dr. Rosenberger demonstriert die Anwendung automatischer externer Defibrillatoren (AED) die an zahlreichen öffentlichen Orten, wie Bahnhöfen und Einkaufszentren, natürlich auch im Gesundheitszentrum Oberammergau, verfügbar sind. Diese Geräte können auch medizinische Laien bedienen. Während ein Helfer die Herzmassage weiterführt, kann ein zweiter den nächstgelegenen AED zum Patienten holen.